Pionierarten
Die extrem steilen und südexponierten Sonnenhänge
der Schlucht sind für das Gedeihen von Wäldern alles
andere als ideal. Auf den trockenen Kalkböden, wo sich
seit dem Bergsturz erst eine dünne Bodenschicht entwickelt
hat, schafft das nur die Föhre.
Föhrenwälder prägen insbesondere auf der linken
Schluchtseite das Landschaftsbild. Die lichten Wälder
sind bekannt für ihren grossen Reichtum an Orchideen.
Lebenswerke
Rund fünf Prozent des Gebietes werden heute noch landwirtschaftlich
genutzt. Auf den kleinen und grossen "Islas", die
der Rhein bei seiner Arbeit in die Tiefe hinterlassen hat,
zeugen von der Sonne dunkel gebrannte Holzställe vom
harten Leben der Bauern.
Heute steigt für etwas Heu niemand mehr 400 Meter in
die Schlucht hinunter. Die Jäger führen den Brauch
jedoch weiter und halten im Rahmen des Hegekonzepts die Weisen
für das Wild offen. Die grösseren, besser erreichbaren
Islas und Wiesen werden in alter Tradition von den Bauern
der umliegenden Gemeinden bewirtschaftet.
Flussleben
In der Ruinaulta findet man im Überschwemmungsbereich
des Rheins viele kleinere und grössere Gebirgsauen. Auen
leben von den zerstörerischen Kräften des Wassers.
Jedes Hochwasser verändert die Flusslandschaft. Die
Fluten reissen ganze Uferpartien mit sich, überfluten
Wälder entlang des Flusses und lagern im Flussbett neue
Kiesflächen ab, welche bald von ersten Pflanzen besiedelt
werden und rasch wieder zuwachsen. Dank den ganz unterschiedlichen,
oft nur kurzlebigen Biotopen sind Auen diejenigen Lebensräume
bei uns mit der grössten Vielfalt an Pflanzen und Tieren.
Flusswerke
In der Ruinaulta selbst produzieren zwei Kleinkraftwerke
Strom für diese regionale Wirtschaft. Die grossen Werke
im Einzugsgebiet des Vorderrheins sind Teil der gesamtschweizerischen
Stromversorgung.
Die Wasserzinsen und der Bezug von Gratis- und Vorzugsenergie
sind für die betroffenen Gemeinden eine wichtige Einnahmequelle.
Nutzungskonflikt
In der Ruinaulta treffen die verschiedensten Nutzungsformen
und -interessen aufeinander. Jede Nutzergruppe gestaltet durch
ihr Tun oder Lassen das künftige Bild der Landschaft
massgebend mit.
Die Gemeinden können sich nicht weiter entwickeln, ohne
die Landschaft zu verändern; Kies- und Wasserkraftwerke
nutzen die reichen Ressourcen; Erholungssuchende und Touristen
kommen wegen der intakten Natur, Erlebnishungrige suchen das
Abenteuer auf dem Fluss; seltene Lebensräume mit einer
einmaligen Tier- und Pflanzenwelt sind wertvoll für die
Anliegen des Naturschutzes...
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